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BUT BEAUTIFUL

Alles wird gut.

 

So einfach macht es sich der Filmemacher Erwin Wagenhofer

nicht. In seinem neuesten Film BUT BEAUTIFUL sucht er

das Schöne und Gute und zeigt Menschen, die ganz neue

Wege beschreiten. Wie könnte ein gutes, ein gelungenes

Leben aussehen? Ist ein „anderes“ Leben überhaupt möglich?

Entstanden ist ein Film über Perspektiven ohne Angst,

über Verbundenheit in Musik, Natur und Gesellschaft, über

Menschen mit unterschiedlichen Ideen aber einem großen

gemeinsamen Ziel: eine zukunftsfähige Welt.

Frauen ohne Schulbildung, die Solaranlagen für Dörfer auf

der ganzen Welt bauen. Permakultur-Visionäre auf La Palma,

die Ödland in neues Grün verwandeln. Ein Förster, der

die gesündesten Häuser der Welt entwickelt. Ein geistliches

Oberhaupt mit Schalk und essenziellen Botschaften

und seine tibetische Schwester mit großem Herz für die

Jugend. Ein junges Jazztrio, ein etablierter Pianist, eine

beseelte kolumbianische Sängerin, die uns den Klang der

Schönheit vermitteln. BUT BEAUTIFUL verbindet sie alle.

Alles wird gut? Alles kann gut werden.

 

GESPRÄCH MIT

ERWIN WAGENHOFER

 

Wenn es eine Neuorientierung und einen Wandel

in der Gesellschaft geben wird, wie es sich jetzt

schon andeutet, wird dieser Prozess wahrscheinlich

über die jungen Menschen laufen. Auch und vor

allem für sie ist BUT BEAUTIFUL entstanden. Ein

15-Jähriger muss ihn verstehen und im guten Sinne

begreifen können, das war eine Idee des Projekts.

Wir als verantwortliche

Generation haben die

Pflicht, die Jüngeren in jedweder Weise zu unterstützen

und in diesem Sinne sehe ich den Film.“

Erwin Wagenhofer

Herr Wagenhofer, sind Sie eigentlich Optimist?

Bis vor ein paar Jahren habe ich mich als „Possibilitist“ bezeichnet,

habe also eher an Möglichkeiten geglaubt. Jetzt aber

bin ich Optimist. Ich habe keine Zeit mehr, Pessimist zu sein.

Sie lassen BUT BEAUTIFUL mit einer Schrifttafel von

Michelangelo beginnen: „Das Problem des Menschen

ist nicht, sich hohe Ziele zu setzen und zu scheitern,

sondern sich zu niedrige Ziele zu setzen und Erfolg zu

haben.“ Wie interpretieren Sie das Zitat persönlich?

Dieses Zitat ist mir bei der Arbeit zu „Alphabet“ begegnet

und war lange im Epilog des Filmes, also gegen Ende zu

hören, bis es dann dem Feinschnitt zum Opfer gefallen ist.

Heute weiß ich auch, warum: Weil damals die Zeit dafür

noch nicht reif war. Der britische Bildungsexperte Ken

Robinson benutzt es gerne in seinen Vorträgen, es ist auch

in seinen Büchern zu lesen. Für mich persönlich bedeutet

das Zitat, dass ich mich dem ersten Teil zu widmen habe.

Die Innovation bei BUT BEAUTIFUL, der Verbundenheit als

Thema hat, ist es, überhaupt den Mut zu haben, einen Film

über das Schöne machen zu wollen. Dafür gibt es keine

Dramaturgie. Es ist ein Sprung ins kalte Wasser und kann

komplett daneben gehen. Dass es dann sieben Jahre gebraucht

hat und der Weg so steinig sein wird, konnte ich

nicht wissen. Ich habe auch lange Zeit nicht gewusst, ob es

uns gelingen würde, war aber immer davon überzeugt,

dass wir das genau richtige Thema ausgesucht haben.

Erwin Wagenhofer dreht explizit über das Gute auf der

Welt – es klingt wie eine Zäsur in Ihrem Schaffen.

In meiner Arbeit, ja, aber auch in meinem Leben. Ich bin nicht

nur älter geworden, auch die Welt hat sich enorm verändert.

Ich muss es so auf den Punkt bringen: Die Welt um mich

herum hat sich in meiner Lebenszeit noch nie so rasant verändert

wie seit unserem Drehbeginn.

Es geht um gesellschaftliche Veränderung ...

... und wer sich nicht selbst bemüht, sie herbeizuführen,

wird von der Veränderung vor sich hergetrieben. Ich will

mich nicht schuldig machen, denn wenn ich nur darauf verweise,

was auf der Welt alles nicht funktioniert, bleibe ich

eher Teil des Systems und Problems. Wir wollten anhand

von Menschen, die längst andere Wege gehen, zeigen, was

möglich ist und dass es eben nicht so ist, wie Margaret

Thatcher einst so äußerst dumm bemerkte, wonach es keine

Alternative gäbe. Das haben dann viele Politiker einfach

nachgeplappert.

Michelangelos Zitat spricht ja auch von kleinen Zielen.

Wie halten Sie es damit? Erwin Thoma, der Mann des

Holzes, einer Ihrer Protagonisten in BUT BEAUTIFUL,

hat genau diese kleinen Schritte im Visier.

Es ist eine Frage der Perspektive, wie man den Spruch

interpretiert.

Ich denke, Michelangelo und Thoma wären sich

ziemlich einig. Erwin Thoma sagt im Film, wir sollten so

entscheiden, dass es auch noch für die siebente Generation

nach uns gut ist. Dieses Denken hat dazu geführt, dass er

die gesündesten Holzhäuser der Welt baut. Oder die Grafs,

die sind beide Akademiker und hatten gute Jobs in Berlin,

bevor sie ausgewandert sind, um auf La Palma Ödland zu

kaufen und es in sehr kleinteiliger Handarbeit in ein Paradies

zu verwandeln. Das scheinen mir die hohen Ziele zu sein, wie

sie Michelangelo meint. Selbiges gilt für Bunker Roy, der an

die Kraft von ganz einfachen Frauen glaubte. Analphabetinnen,

die, gibt man ihnen die Möglichkeit, dazu im Stande

sind, komplexe Spiegel zu bauen, mit denen die Menschen

in Afrika, Mittel- und Südamerika oder Australien nur mit

der Energie der Sonne kochen können. Öl und Gaskonzerne

haben damit keine Freude, aber was die drei Genannten

tun, das sind wirkliche Friedensprojekte. Größe ist immer

Interpretationssache. Auch BUT BEAUTIFUL ist ja kein

großer“ Film, weder vom Budget her noch vom Team, mit

dem er gedreht wurde. Wir waren hier wie auch in den

anderen Filmen eher eine Rucksackproduktion.

Interpretationsräume bietet schon der Titel an. Was

bedeutet er für Sie?

Es gibt da diesen Song „But Beautiful“ von 1947...

... den von Nat King Cole über Bob Dylan hin zu Billie

Holiday und Lady Gaga schon sehr viele gesungen

haben. Er hat diese sehr passende Liedzeile: „beautiful

to take a chance / and if you fall, you fall / and I‘m

thinking I wouldn‘t mind at all”.

Es gibt aber auch dieses wunderbare Jazzbuch gleichen

Titels von Geoff Dyer. Das habe ich 1994 in die Hand

bekommen und es hat einen Keim gesetzt, auch wenn es

inhaltlich überhaupt nichts mit dem Film zu tun hat. Ich

fühlte mich intuitiv angesprochen. Das „But“ vor dem

Beautiful“

sehe ich nicht als Einschränkung. Im Gegenteil,

eher als Zeichen eines klaren Blicks.

 

116 Minuten

BUT BEAUTIFUL

Sonntag, 10. November 2019 - 11:00 bis 13:15

Alles wird gut.

 

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